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Chronik OT Wünsdorf

Aus der Chronik

+++ Wünsdorf scheint slawischen Ursprungs zu sein, da die Silbe „wun“ oder „wyn“ Wasser bedeutet. Der Bezug zu einer Ansiedlung am Wasser ist durch den See gegeben.[ An den Ufern des Fließes, welcher die beiden Seen verbindet, entstanden Nächst-Wünsdorf und Fern-Wünsdorf als Zwillingsdörfer.

+++ Im Jahre 1545 erfolgte eine Amtsdesignation. Danach gehörten beide Dörfer zur deutschsprachigen Seite der ehemaligen Herrschaft Zossen. Nächst-Wünsdorf hatte bereits 1583 eine Filialkirche von Zossen, zu welcher Fern-Wünsdorf eingepfarrt war, beide Dörfer gehörten zum Domänenamt Zossen.

+++ Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Dörfer beinahe wüst. Nächst-Wünsdorf erhielt um 1662 eine neue Fachwerkkirche, die alte war durch den Krieg schwer geschädigt, jedoch musste sie 1743 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. In Nächst-Wünsdorf gab es einen Krug und außerhalb des Dorfes eine Schmiede. Zu Weihnachten 1744 wurde die neue Kirche eingeweiht.

+++ Um 1801 gab es in Nächst-Wünsdorf eine Windmühle, und die Einwohnerzahl war auf 163 gestiegen; in Fern-Wünsdorf lebten 111 Personen.  Durch königlichen Erlass vom 24. Mai 1874 erfolgte die Vereinigung beider Dörfer. Wünsdorf wurde zur größten Gemeinde des damaligen Kreises Teltow.

+++ 1897 wird ein eigener Bahnhof an der Bahnstrecke Berlin–Dresden eröffnet, 1906 erfolgt der Aufbau eines Truppenübungsplatzes und die Errichtung einer Infanterieschule, der die Ansiedlung von Beamten und Gewerbetreibenden nach sich zieht. In Wünsdorf entsteht in der Zeit des Ersten Weltkriegs die erste Moschee im Deutschen Kaiserreich.

+++ In Wünsdorf hat die Wehrmacht von August 1939 bis 1945 in der Bunkeranlage „Maybach I“ den Großteil des Oberkommandos des Heeres (OKH) untergebracht. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges werden die Anlagen von der Roten Armee/Sowjetarmee übernommen, die 1954 dort das Oberkommando der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) stationiert. Es  ist die größte Garnison der Roten Armee außerhalb der Sowjetunion.

+++ 1957 wird der Wohnplatz Gutsbezirk Zehrensdorf zu Wünsdorf eingemeindet. 1970 wird Neu-Wünsdorf Ortsteil von Wünsdorf. Neuhof gehört seit dem 1. April 1974 zu Wünsdorf.  Am 27. September 1998 wird Waldstadt eingemeindet. Die Gemeinde Waldstadt war am 16. Februar 1996 auf der Fläche des bis dahin gemeindefreien militärisch genutzten Gebiets gegründet worden. Seit dem Abzug der sowjetischen/russischen Truppen im Jahr 1994 wird das Gelände zivil genutzt. Am 23. Juni 1995 wird die Entwicklungsgesellschaft Waldstadt Wünsdorf/Zehrensdorf (EWZ) als Tochter der LEG  gegründet.

Zwischen Strandbadidylle und Militärvergangenheit

Wünsdorf.  Kaum ein Zossener Ortsteil kann auf eine so wechselvolle Geschichte zurückblicken wie Wünsdorf, zu dem heute  die beiden bewohnten Gemeindeteile Waldstadt und Neuhof gehören. 1957 wurde der Wohnplatz Gutsbezirk Zehrensdorf zu Wünsdorf eingemeindet. 1970 wurde  Neu-Wünsdorf Ortsteil von Wünsdorf. Neuhof gehört seit dem 1. April 1974 zu Wünsdorf.  Die am 16. Februar 1996 auf der Fläche des bis dahin gemeindefreien,  militärisch genutzten Gebiets  gegründete Waldstadt  kam am 27. September 1998  zu Wünsdorf und wird seit dem Abzug der sowjetischen/russischen Truppen im Jahr 1994 zivil genutzt.

Das eigentliche Wünsdorf soll  auf slawischen Ursprung zurückgehen, da die Silbe „wun“ oder „wyn“ Wasser bedeutet.  Mit dem Wünsdorfer  See ist ohne Zweifel ein Bezug zu einer Ansiedlung am Wasser gegeben. Seit 2010 ist die Stadt Zossen Eigentümerin des 180 Hektar großen  Gewässers. Schon zuvor hatte die Stadt in die Gestaltung des öffentlichen Strandbades mehrere 10 000 Euro investiert. Unter anderem wurde eine neue Steganlage gebaut,  auch ein Piraten-Spielplatz entstand.  In diesem Jahr stehen erstmals mehrere Stellplätzen für Wohnmobile im Strandbad Wünsdorf zur Verfügung , um den Standort für Camper und Touristen noch anziehender zu gestalten. An den Ufern des Fließes, das die zwei  Seen verbindet, waren  einst die Zwillingsdörfer Nächst-Wünsdorf und Fern-Wünsdorf entstanden.  Durch königlichen Erlass vom 24. Mai 1874 erfolgte schließlich die Vereinigung beider Dörfer. Wünsdorf wurde so zur größten Gemeinde des damaligen Kreises Teltow.

Der Name Wünsdorfist untrennbar mit der Militärgeschichte der Region verbunden. Schon Ende des letzten Jahrhunderts wurde das Gebiet als ideales Übungsgelände vom preußischen Militär genutzt. 1897 wurde ein eigener Bahnhof an der Bahnstrecke Berlin–Dresden eröffnet, 1906 erfolgte der Aufbau eines Truppenübungsplatzes und die Errichtung einer Infanterieschule, der die Ansiedlung von Beamten und Gewerbetreibenden nach sich zog. In Wünsdorf entstand in der Zeit des Ersten Weltkriegs die erste Moschee im Deutschen Kaiserreich. Die Wehrmacht  hatte von August 1939 bis 1945 in der Bunkeranlage „Maybach I“ den Großteil des Oberkommandos des Heeres (OKH) untergebracht. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Anlagen von der Roten Armee/Sowjetarmee übernommen, die 1954 dort das Oberkommando der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) stationierte. Es war die größte Garnison der Roten Armee außerhalb der Sowjetunion.

Das ursprüngliche Wünsdorf hat  bis heute seinen dörflichen Charakter erhalten – mit ehemaligen  Bauernhöfen, Fachwerkhäusern und einer stattlichen Kirche auf dem Anger.  Im alten Ortskern befindet sich auch die Galerie „Blaues Tor“,  derzeit ist die Ausstellung „Skulpturen im Hof“ zu sehen. Das etwas versteckt liegende Museum  des Teltow hat sein Domizil im alten Schulhaus gefunden. Am 14. Dezember 2010 wurde der Erweiterungsbau für die Oberschule Wünsdorf seiner Bestimmung übergeben. Rund 600 000 Euro kostete der Flachbau, in dem zwei neue Unterrichtsräume, eine Aula sowie eine Ausgabe- und Lehrküche untergebracht sind. Am 28. September 2018 erhielt die Bildungseinrichtung  während des Schulfestes den Namen Comenius-Schule.  Vor der Fertigstellung ist auch die Sportanlage „Am Burgberg“ in Wünsdorf mit Kunstrasenplatz und Leichtathletikanlage. 3,71 Millionen Euro hatte die Stadt Zossen in ihrem Haushaltsplan 2018 für diese Baumaßnahme eingestellt.  Die moderne Sportstätte soll  nach der Übergabe sowohl für den Schul- als auch den Vereinssport genutzt werden.

Aus der Chronik Waldstadt

+++  Die Waldstadt  ist ein ehemals selbstständiger Gemeindeteil des Zossener Ortsteils Wünsdorf.  Auf dem Gelände befand sich ursprünglich das Dorf Zehrensdorf, das 1911 geräumt, 1921 wiederbesiedelt und 1936 endgültig geräumt wurde.

+++  Die sogenannte verbotene Stadt wurde bis auf eine Unterbrechung in den 1920er Jahren kontinuierlich militärisch genutzt, die darunter erbauten unterirdischen Anlagen von 1939 bis 1994.

+++ Den ersten militärischen Kontakt hatte Wünsdorf im Jahr 1872, als der größte Schieß- und Versuchsplatz Preußens in dem bescheidenen Ortsteil der Stadt Zossen erbaut wurde. 1910 kamen Truppenübungsplätze für das damalige Deutsche Kaiserreich hinzu und wurden 1914 um eine Militärsportschule erweitert. Während des Ersten Weltkriegs wurde in Wünsdorf zudem das „Halbmondlager“ gebaut, ein Lager für vorwiegend muslimische Kriegsgefangene, in dem zeitweise bis zu 30.000 Menschen lebten. Für diese Gefangene wurde am 13. Juli 1915 eine Moschee eingeweiht – es war die erste in Deutschland. Sie sollte dabei helfen, die Muslime davon zu überzeugen, für Deutschland zu kämpfen.

+++ 1910 entstand ein Kaiserlicher Truppenübungsplatz und eine Garnison. 1935 folgte die Kommandozentrale der Deutschen Heeresführung (OKH) und ab 1945 der Hauptgefechtsstand der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) und der 16. Sowjetischen Luftarmee (16. LA).

+++ Der Zeppelin-Bunker wurde zwischen 1937 und 1939 im Bereich des sogenannten Stammlagers Zossen als Nachrichtenzentrale Zeppelin bzw. als Amt 500 (postalische Tarnbezeichnung) in Wünsdorf errichtet. Das Bauwerk bestand aus einem zweistöckigen Längsbau und einem dreistöckigen Anbau. Für den Zugang waren ursprünglich ein Nord- und ein Weststollen (jeder etwa 150 Meter lang) mit je einem Endbauwerk vorgesehen. Nach mehreren Projektänderungen kam 1938 ein dritter Zugang, das sogenannte – mit leichten Lastkraftwagen befahrbare – Reichspostgebäude unmittelbar über dem Anbau mit einem Treppenhaus und einem Lastenaufzug hinzu. Über einen dritten, den sogenannten Südstollen war der Bunker mit Maybach I, dem als Landhaussiedlung mit 12 Bunkerhäusern getarnten Stabsquartier des Oberkommandos des Heeres verbunden.

 +++ Von 1974 bis 1990 bestand hier auch die Deutsch/Sowjetische Vereinigte Hauptzentrale 14. Federführend durch die Deutsch Luftwaffe wurde diese Einrichtung als deutsch-russische Luftraum-Koordinierungsstelle  nunmehr zivil/militärisch, bis zum vollständigen Abzug der GSSD im Jahr 1994 weitergeführt.

+++ Die Gemeinde Waldstadt  wurde schließlich am 16. Februar 1996 gegründet, ihr  zuvor militärisch genutztes Gemeindegebiet war in dieser Zeit gemeindefrei.  Bereits zwei Jahr später wurde Waldstadt  am 27. September 1998 nach Wünsdorf eingemeindet.

+++ Seit dem Abzug der sowjetischen/russischen Truppen im Jahr 1994 wird das Gelände zivil genutzt. Am 23. Juni 1995 wird die Entwicklungsgesellschaft Waldstadt Wünsdorf/Zehrensdorf (EWZ) als Tochter der LEG  gegründet.

+++ Das Areal kann heutzutage über den Historischen Rundweg durch die „Verbotene Stadt“ erkundet werden.

+++  1998 wurde die erste und bis heute einzige Bücherstadt Deutschlands in Wünsdorf gegründet.  In Antiquariaten können Bücherliebhaber ausgiebig stundenlang stöbern und unter zig Tausenden Büchern auswählen.  Angeboten werden zudem regelmäßig Bunkerführungen, außerdem laden verschiedene Museen - wie zum Beispiel das Garnisonsmuseum -  und die Neue Galerie des Landkreises Teltow-Fläming Besucher aus Nah und Fern ein. Im Bücherstall finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und Vorträge statt.

Von A wie Antiquariat bis Z wie Zeppelin-Bunker

Waldstadt. Kaum eine Gemeindeim Land Brandenburg hatte eine so kurze Lebenszeit als selbstständige Kommune  wie die heute  zur amtsfreien Stadt Zossen gehörende Waldstadt. Gegründet als Gemeinde Waldstadt am 16. Februar 1996, wurde sie bereits zwei Jahre später  - am 27. September  1998 - nach Wünsdorf eingemeindet.  Doch ungeachtet dessen kann heute kaum ein anderer Ort noch heute auf eine so wechselvolle und spannende Geschichte verweisen. Auf dem später gemeindefreien Gelände befand sich ursprünglich das Dorf Zehrensdorf. Dieses wurde 1911 geräumt,  zehn Jahre später wieder besiedelt und schließlich 1936 endgültig geräumt.  

Eng verbunden mit der Waldstadt ist der Name „Die verbotene Stadt“, denn diese wurde bis auf eine Unterbrechung in den 1920er Jahren kontinuierlich militärisch genutzt. Die Bunkerstadt Wünsdorf ist einer der bedeutendsten Schauplätze der Geschichte des nationalsozialistischen Deutschlands. Von hier aus steuerte die deutsche Wehrmacht große Teile des Heeres. Noch heute können die  Bunker Zeppelin und Maybach besichtigt werden. Besucher erhalten in denen von 1939 bis 1994 genutzten unterirdischen Anlagen einen Einblick in die  Funktionsweise der Militärmaschinerie.  Der Zeppelin-Bunker erhielt seinen Namen vom Standort Zossen. Zeppelin war der militärische Code für den Buchstaben Z. Z wie Zossen, also Zeppelin. Der Bunker liegt über drei Stockwerke in einer Tiefe von bis zu 18 Meter unter der Erde. Ganze Lastwagen konnten in den Bunker hineinfahren, um dort entladen zu werden. Im Bunker Zeppelin war die Deutsche Reichspost untergebracht.

Auch Namen wie „Klein Moskau“ fallen immer wieder, wenn die Rede auf die jüngere Geschichte des Militärstandortes kommt. Bei Fotografen und Filmemachern  stehen die „Lost Places“ von Wünsdorf-Waldstadt hoch im Kurs.  Nach der Wende und dem ebenso kompletten  wie friedlichen Abzug der sowjetisch/russischen Truppen begann die zivile Nutzung des riesigen Areals. Auch wenn die von der Landesregierung  vorgestellten Pläne zur Zukunft von Wünsdorf-Waldstadt größtenteils Wunschdenken blieb, hat sich  der Ort inzwischen zu einem lebenswerten Ort im Grünen gemausert. Einen großen Anteil daran hat nicht zuletzt die  am 23. Juni 1995  gegründete Entwicklungsgesellschaft Waldstadt-Wünsdorf/Zehrensdorf (EWZ), die als Tochter der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) mit Anteilen der Gemeinde Wünsdorf und des Landkreises Teltow-Fläming „eine modellhafte Konversion“ vorführen sollte. Ziel war es zu zeigen, wie man mit Kasernen und mit militärischem Erbe umgehen kann. Mehrere Landesbehörden  haben ihren Sitz in Wünsdorf-Waldstadt, unter anderem der Zentraldienst der Polizei und der Landesbetrieb für Straßenwesen.

Von der ebenfalls in Waldstadt ansässigen Brandenburgischen Boden (BBG) erwarb die EWZ Flächen im Raum Wünsdorf zu Entwicklungs- und Vermarktungszwecken. Die Gemeinden Wünsdorf und Waldstadt hätten dieses mit ihren eigenen Mitteln nicht gekonnt. Von den ursprünglich weit mehr als 500 Hektar großen Grundstücken sind inzwischen über drei Viertel vermarktet worden. Die Immobilien-Nachfrage ist ungebrochen. 2017 und 2018 beispielsweise verkaufte die EWZ Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 318 000 Quadratmetern und 120 Wohneinheiten. Seit Bestehen der EWZ sind rund 1700 moderne Wohnungen in alten Plattenbauten und Kasernen entstanden.  Auf freigeräumten Flächen entstanden Einfamilienhäuser, Nahversorgungseinrichtungen haben ihren Platz gefunden, neben der Grundschule wurde von der Stadt Zossen die moderne Paul-Schumann-Sporthalle gebaut, am Wünsdorfer Platz ist die Kita „Haus der kleinen Füße“ nicht mehr wegzudenken.  Mit der Bücher- und Bunkerstadt, in der sich unter anderem die bei Bücherfreunden besonders beliebten Antiquariate,  verschiedene Museen, der für kulturelle Veranstaltungen genutzte Bücherstall und die Neue Galerie befinden,  bietet  die Waldstadt zahlreiche touristische Anziehungspunkte. Das Areal kann über den Historischen Rundweg durch die „Verbotene Stadt“ erschlossen werden.

 

 

 

Aus der Chronik

+++ Neuhof ist ein bewohnter Gemeindeteil von Wünsdorf, einem der zehn Ortsteil der Stadt Zossen. Der Ort wurde vermutlich um 1700 neu angelegt und  gehörte im 18. Jahrhundert zum Amt Zossen. Dieses war 1490/1 aus der mittelalterlichen Herrschaft Zossen hervorgegangen. Mit Herausbildung der Kreisordnung in Brandenburg wurde es zum Kreis Teltow gerechnet. Mit der Auflösung des Amtes Zossen 1872 wurden letzte Abhängigkeiten beseitigt. Mit der Vereinigung von Gutsbezirk und Gemeindebezirk 1877 war Neuhof nun eine selbständige Gemeinde innerhalb des Kreises Teltow.

+++ Bei der Auflösung des Kreises Teltow 1952 wurde Neuhof dem Kreis Zossen zugeordnet. 1974 wurde Neuhof nach Wünsdorf eingemeindet und war seitdem Ortsteil von Wünsdorf. Von 1992 bis 2003 wurde Wünsdorf durch das (neue) Amt Zossen verwaltet. Mit der gesetzlich verordneten Eingliederung von Wünsdorf (als Ortsteil) in die Stadt Zossen und Auflösung des Amtes Zossen im Jahre 2003 wurde Neuhof zum Gemeindeteil von Wünsdorf.

+++ Wahrscheinlich entstand 1700/01 bei der Wolziger Mühle ein Vorwerk oder eine Meierei. 1701 wird diese Lokalität jedenfalls bereits als „auffm Neuen-Hoffe, 1753 als Neuhoff „olim Woltziger Mühle“ bezeichnet. Die Wolziger Mühle lag am rechten Ufer des Nottefließes, das vom Wolziger See zum Großen Wünsdorfer See abfließt. Die Wolziger Mühle ist möglicherweise an der Stelle eines mittelalterlichen Dorfes erbaut worden.

+++ 1753 gab es Pläne,  ein Bruch urbar zu machen und an 12 Familien aus Klein Ziescht (damals Kurfürstentum Sachsen, heute ein Gemeindeteil von Baruth/Mark), zu vergeben. 1757/8 wurde die gassenförmige Kolonie Neuhof zwischen Schäferei und dem Vorwerk Neuhof entlang der heutigen Neuhofer Dorfstraße tatsächlich errichtet.

+++ 1801 zählte Neuhof 14 Feuerstellen, sprich  Haushaltungen, und 103 Einwohner. In diesem Jahr wird erstmals auch ein Krug erwähnt. Er dürfte an der heutigen B 96 gegenüber dem heutigen Gutshaus gestanden haben. 1841 wird der neue Ort als Colonie Neuhof bezeichnet.

+++ Das Vorwerk Neuhof war noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Amtsvorwerk, das vom Amtmann Rehfeld verwaltet wurde.  Der Wert wurde damals auf 5100 Taler geschätzt. 1837 war das Vorwerk Neuhof im Besitz eines gewissen Hintze.

+++ 1848 entstand westlich des Ortskerns und südlich der heutigen B 96 im Wald die Försterei Adlershorst. Im Urmesstischblatt von 1841 ist an der Stelle des späteren Forsthauses bereits ein Forstacker eingezeichnet, jedoch noch kein Gebäude. Dieser Teil der Gemarkung wurde als Teil des Kummersdorfer Forstes abgetrennt und kam zur Gemarkung Fernneuendorf. Die Lokalität gehört heute zu Sperenberg.

+++ 1850 wurden bereits 15 Wohnhäuser in Kolonie und Rittergut gezählt. 1870 wurd das Gut schuldenhalber versteigert. Dazu gehörten das Rittergut, Gasthof, eine Schmiede, die Schäferei und ein Taglöhnerhaus sowie 914,72 Morgen Grund. 1873 und 1875 wird ein Gutsbesitzer Beussel genannt. Beussel war Rittergutsbesitzer in Zossen und kaufte 1872 das Gebäude „Zu Haus Zossen“. 1874 wurde die Schäferei vom Gutsbesitzer Beussel aufgegeben. 1876 kam die vorher gemeindefreie Wolziger Mühle zum Gemeindebezirk Neuhof. 1877 wurden der Gutsbezirk Neuhof mit dem Gemeindebezirk Kolonie Neuhof und der Försterei Adlershorst zur Gemeinde Neuhof vereinigt. Um 1890 wurde das an französische Vorbilder erinnernde Gutshaus Neuhof erbaut.

+++ Ab etwa den 1930er Jahren entstand im Gebiet am Großen Wünsdorfer See die Villenkolonie Neuhof, die auch einige repräsentative Gebäude mit weitläufigen Gärten aufzuweisen hat. Ebenfalls in den 1930er Jahren siedelte sich die Halpaus-Konservenfabrik auf dem ehemaligen Gutsgelände an. Die Wirtschaftsgebäude des Gutes wurden zu Lager- und Fabrikhallen umgebaut, das Gutsgebäude als Verwaltungsgebäude genutzt. Ab 1939 wurde vorwiegend die Wehrmacht mit Fleischkonserven beliefert.

+++ Zu Ende des Zweiten Weltkriegs kam es am 21. April 1945 noch zu schweren Kämpfen bei Neuhof.

+++ Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 155 Hektar Staatsforst enteignet und davon 128 Hektar aufgeteilt. Auch die Konservenfabrik wurde in einen VEB umgewandelt. Sie produzierte 1956 mit 149 Beschäftigten Gemüse-, Obst- und Fischkonserven. 1959 entstand eine LPG vom Typ I mit zunächst sieben Mitgliedern. 1961 waren es 44 Mitglieder, und die LPG bewirtschaftete 145 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. 1973 gehörte das Werk Neuhof zum VEB Havelland Obst- und Gemüseverarbeitungsbetriebe des Bezirks Potsdam. Außerdem gab es im Ort die Produktionsabteilung Stahlbau Neuhof des VEB (B) Hochbaukombinat Potsdam.

+++  Nach der Wende entstand auf dem Gutsgelände eine Ferienhaus- und Freizeitanlage. Die Fabrikgebäude wurden fast alle abgerissen. Das ehemalige Gutshaus und spätere Verwaltungsgebäude wurde saniert und zu einem repräsentativen Restaurant umgebaut, das nicht mehr existiert. Das Objekt befindet sich heute in Privatbesitz. Es ist das einzige Baudenkmal des Ortes.

Die Dorfgemeinschaft zieht an einem Strang

Neuhof. Einmal im Jahr empfängt der kleine, ungefähr neun Kilometer südlich des Zentrums von Zossen an der B 96  gelegene Ort, weitaus mehr Besucher als er Einwohner hat. Dann wird es schwer einen Parkplatz in dem sonst eher beschaulichen Dorf zu finden. Mit seinem jährlich am Gründonnerstag stattfindenden Osterfeuer der besonderen Art  hat sich Neuhof einen Namen weit über die Ortsgrenze hinaus gemacht. In diesem Jahr war es ein Märchenschloss, das spektakulär in Flammen aufging, in den Jahren zuvor wurden aber auch ein Schiff, ein Westernsaloon, ein Mähdrescher, eine Lok und andere ebenso aufwändig wie liebevoll gebauten Holzobjekte angezündet. So fest wie Feuerwehr und Dorfgemeinschaft bei dieser Veranstaltung zusammen an einem Strang ziehen, so engagiert setzen sich die Neuhofer auch sonst für den Zusammenhalt ihrer Dorfgemeinschaft ein. Eine feste Größe im Terminkalender ist inzwischen - neben dem traditionellen Osterfeuerspektakel - auch das Strandfest am Wünsdorfer See, das in diesem Jahr am 20. Juli gefeiert worden ist. Mit ihrer selbstgebauten Kegelbahn, die die Dorfgemeinschaft Neuhof betreibt, sind die Neuhofer auch immer wieder eine echte Bereicherung des Strandfestprogramms beim großen Wünsdorfer Nachbarn. Einmal im Jahr lädt zudem die hiesiger große Gärtnerei zum Tag der offenen Tür, eine Einladung, die von Pflanzenliebhabern aus der Region gern angenommen wird. Und wer schon mal den Weg nach Neuhof gefunden hat, macht gern einen Abstecher ins Café im Walde, das für seinen hervorragenden Kuchen selbst bei vielen Berlinern bekannt ist.

Das kleine Neuhof stand und steht aber auch wegen einer großen Investition der Deutschen Bahn AG im Fokus der Aufmerksamkeit. Nachdem es zunächst gelungen war, die Gefahr einer geplanten Schließung des Haltepunkts an der Bahnstrecke Berlin – Dresden zu  verbannen, wurde im Jahr 2017 zunächst die  Straßenbrücke über die Bahngleise bei Neuhof für den Verkehr freigegeben, später folgte die Fußgangerbrücke. Rund 400 000 Euro hat die Stadt Zossen  für die beiden Überführungen in Neuhof  zu  den Gesamtkosten dazugegeben. Beide Baumaßnahmen haben das Ortsbild sichtbar verändert. Noch immer ist allerdings die  Überführung der B 96 nicht abgenommen worden, da noch gravierende Mängel und Restleistungen offen sind. Erst nach der Abnahme und Übergabe der Flächen kann die Stadt Zossen die vorgesehen P+R-Plätze planen und herstellen.

Seit diesem Jahr (2019) erstrahlt sowohl  der Gemarkungsstein Neuhof  als auch der historische Wegweiserstein am Bahnhof  Neuhof  in neuem Glanz. Und auch das alte Storchennest im Ort wurde „saniert“, um Familie Adebar beste Wohn- und Brutbedingungen zu bieten. Schließlich wollen die Neuhofer gute Gastgeber sein – nicht nur für Störche.