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Stadtgeschichte - 700 Jahre

Im Jahr 1320 wurde Zossen erstmals urkundlich erwähnt

Aus der Geschichte des Zossener Markttreibens

Interessante Ausstellung des Vereins BAZ über Anfänge, Blütezeiten und die „dunklen Jahre“

Zossen. Besucher des Kraut- und Rübenmarktes am 8. August 2020 konnten bei hochsommerlichem Wetter gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen boten wieder zahlreiche Händler ihre Waren feil -  ob Kartoffeln und Zwiebeln, Marmelade und Honig, Blumen und Grünpflanzen - , zum anderen konnten sie sich gleich noch gratis die Ausstellung „Aus der Geschichte des Markttreibens in Zossen“ anschauen, die anlässlich des 700. Jahrestages der urkundlichen Ersterwähnung Zossens vom Verein „Bildung und Aufklärung in Zossen“ (BAZ ) zusammengestellt wurde. Dem vorausgegangen waren umfangreiche und zeitintensive Recherchen in Archiven, Chroniken und alten Akten, wie Kurt Liebau zu berichten weiß.
Auch wenn man bis heute nicht genau weiß, wann es die ersten Märkte in Zossen gab, so wird vermutet, dass spätestens seit die Torgows als Herren der Burg und der Stadt erstmals im Jahr 1349 erwähnt wurden, die Möglichkeit der Durchführung von Märkten als wahrscheinlich anzusehen ist. Denn das Marktrecht konnte auch einer nichtstädtischen bzw. vorstädtischen Siedlung zuerkannt werden.

Dass Zossen 1546 vom Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg Privilegien und damit städtische Rechte eingeräumt wurden, ist allgemeinhin bekannt.  Weniger hingegen die Rolle, die Eustachius von Schlieben und sein Sohn Hans in diesem Zusammenhang spielten. Von Schlieben, so heißt es, soll ein abgeschlossenes Verteidigungsbündnis zwischen Brandenburg und Sachsen genutzt haben, um für Zossen das Stadt- und Marktrecht zu erlangen. Die für das Marktleben wichtigen Punkte waren der Viehzoll, die Einrichtung eines Wochenmarktes (neben bisher schon stattfindenden  Viehmärkten), die Errichtung einer Ratswaage, die Zollfreiheit von Nahrungsgetreide, die Sicherung der Einnahmen aus dem Standgeld und der Ratswaage für die Stadt sowie das Recht für die Zossener, auf anderen Märkten Handel zu treiben.

Recherchen des 1868 geborenen  Zossener Stadtchronisten  Louis Günther zufolge befanden sich in den Stadtakten Hinweise auf Märkte in der Stadt seit 1690. Viehmärkte bestanden - wie aus den Stadtrechten von 1546 ersichtlich ist - bereits vor diesem Datum. Die Termine, die Anzahl und die Art der Märkte veränderten sich mit der Zeit.  Im Jahr 1702 beispielsweise gab es fünf Märkte, unter anderem einen Flachs- und Pferdemarkt. 1858 waren jeweils fünf Vieh- und sogenannte Krammärkte ausgewiesen, in den Jahren 1902 bis 1936 fanden jährlich elf Vieh- und drei Krammärkte statt. Über die Anzahl, die jeweiligen Termine und die Art der Märkte entschied nicht die Stadt Zossen, sondern die Provinzialbehörde der Provinz Brandenburg. Märkte wurden je nach Interessen- und Wirtschaftslage neu angesetzt oder aufgehoben.  So wurde 1884 der Zossener Jahrmarkt gleich zweimal verlegt. So hieß es zunächst: „Der für die Stadt Zossen auf den 22. und 23. Dezember 1884 angesetzte Viehmarkt wird hiermit auf den 1. und  2. Dezember 1884 verlegt.“ In einem Extrablatt zum Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin vom 29. November 1884 wurde schließlich  durch den Königlichen Regierungspräsidenten verkündet: „Der durch meine Verfügung vom 15. November d.J. ( . . .)  auf 1. und 2. Dezember d. J. in Zossen angesetzte Vieh- und Krammarkt wird wegen Zusammentreffens mit einem benachbarten Markte hiermit auf Donnerstag und Freitag, den 11. und 12. Dezember d. J. verlegt.“ Und auch Werbung in eigener Sache war Ende des 19. Jahrhunderts bereits angesagt, wie die Ausstellung beweist. So kündigte ein gewisser J. Lehniger in einer Annonce an: „Am Freitag, den 29. Juli 1892 treffe ich in Zossen auf dem Wochenmarkt mit einem Transport Ferkel ein.“

 

In Walter Eichwedes Nacherzählung eines Markttages ist unter anderem zu lesen: „Da die Jahrmärkte nicht nur von den Bewohnern der Stadt und der umliegenden Dörfer besucht wurden, …, kamen Händler von weit und breit nach Zossen. Bereits am Tage vor dem Markte reisten diese an. Alle vorhandenen Wirtshäuser, wie der „Goldene Engel“, der „Grüne Baum“ und das „Weiße Ross“, aber auch zahlreiche Bürgerhäuser waren von den Zugereisten belegt . . .“ 

Der Tageszeitung für den Kreis Teltow, dem Teltower Kreisblatt, vom 5. Juni 1936 ist zu entnehmen, dass der letzte Viehmarkt „ein wenig belebtes Bild“ zeigte. Es wurden 313 Ferkel und 69 Läuferschweine zum Verkauf gestellt. Größere Schweine seien überhaupt nicht aufgetrieben worden und auch der Auftrieb von Pferden sei mit 13 Stück nur gering gewesen. Anders auf dem Jahrmarkt. Dort herrschte das übliche Treiben. „Die Anzahl der zugelassenen Verkaufsstände war mit Rücksicht auf den hier herrschenden Straßenverkehr etwas herabgesetzt. Immerhin hatten etwa 160 Buden mit Waren aller Art Platz gefunden. Die Kauflust war nicht so groß wie sonst und so sind wohl nicht alle Erwartungen der Budenbesitzer erfüllt worden“, berichtete die amtliche Zeitung des preußischen Landkreises Teltow.

Die informativen und gut recherchierten Texte der Ausstellungtafeln  sparen auch die „dunkle Zeit“ des Zossener Marktlebens in der Zeit der Nationalsozialisten nicht aus. Die Vieh- und noch mehr die Krammärkte im Brandenburgischen, so heißt es,  waren einst von jüdischen Einzel- und Viehhändlern dominiert, was nicht erst nach 1933 den Nationalsozialisten, aber auch lokalen Händlern ein Dorn im Auge war. Beginnend 1935 und endgültig 1938 wurden die Juden durch Verhaftungen, Strafen, Gewerbegenehmigungsentzug oder auch direkt ausgeübte physische Gewalt aus ihren Geschäften und von den Märkten vertrieben. Am 5. November 1938 meldete das „Teltower Kreisblatt“:  „Zossener Jahrmarkt ist endlich judenfrei!“  Unrühmlichen Anteil an der propagandistischen Rechtfertigung  der Judenverfolgung hatten dabei leider auch Heimatforscher wie Karl Fiedler und Louis Günther.

Nach Kriegsende 1945  fanden zunächst keine Wochenmärkte mehr statt.  1996 schrieb Gerda Siekierka im Buch „Zossen – ein märkisches Städtchen“  über das Marktwesen in Zossen unter anderem: „Märkte mit einem umfangreichen Angebot begannen erst wieder 1990. Regelmäßig am Sonnabend finden Wochenmärkte auf dem Marktplatz seit drei Jahren unter Verantwortung eines Marktbetreibers statt, der auch noch in anderen Orten für den ‚Märkischen Markt‘ arbeitet.  Ein von ihm bestellter Marktmeister weist die Standplätze an, kassiert das Standgeld und sorgt für Ordnung, insbesondere auch nach dem Markttreiben, das von 8 bis 13 Uhr vereinbart ist.“ Seit der Gemeindegebietsreform  2003 ist die Stadt Zossen für den Wochenmarkt zuständig. Er findet inzwischen immer donnerstags statt. Noch immer gilt aber, was Gerda Siekierka 1996 beschrieb: „Der Wochenmarkt ist ein Anziehungspunkt für die Zossener, aber nicht nur, um dort große Einkäufe zu tätigen, sondern auch, um dort Freunde und Bekannte zu treffen, wobei man sich die Zeit für einen kleinen Schwatz nimmt.“

Gleiches könnte man auch über den Kraut- und Rübenmarkt berichten, der seit 2004 ehrenamtlich an jedem zweiten Sonnabend im Monat von April bis September durch den Verein „Bildung und Aufklärung in Zossen“ betrieben wird. Seitdem erfreut sich der Markt, der auf eine Idee aus der Initiative attac-tf und Sam Ahrens aus Mellensee zurückgeht,  großer Beliebtheit, wie auch am 8. August 2020 zu sehen war.

Nächster planmäßiger Termin ist Sonnabend, der 12. September 2020. Wie Kurt Liebau sagt, überlege man, die Ausstellung über die Geschichte des Markttreibens in Zossen auch auf künftigen Kraut- und Rübenmärkten zu präsentieren.    

 

 

 

Ein Spaziergang in die Vergangenheit

Mit  dem Archäologen Ulrich Wiegmann auf der Suche nach Spuren von Burg, Schloss und Festung Zossen

Kaum zu glauben, aber wahr: Dort, wo heute im Zossener Stadtpark der leider immer wieder beschmierte Rest eines einstigen Backsteinrondells der spätmittelalterlichen Befestigungsanlage steht, ein trist grau verputztes Haus am Rande  des Rosengarten aus dem Boden ragt und gegenüber ein stattliches, seit Längerem eingerüstetes Schloss dabei ist, von einem Investor aus dem Dornröschenschlaf geküsst zu werden, hat sich ein entscheidender Teil der spannenden 700-jährigen Geschichte der heutigen Stadt Zossen abgespielt. Aus Anlass der urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 1320 lud der Heimatverein am 11. Juli 2020 zu einem Rundgang mit dem Archäologen Ulrich Wiegmann ein, der das geschichtsträchtige Areal seit Jahren erforscht und erkundet und wie kaum ein anderer die wechselhafte Historie der früher stark befestigten Burganlage am Ufer der Notte kennt. Diese einst ehemalige slawischen Grenzfeste der Meißischen Markgrafen  gegen? zur Abwehr die der Askanier war um 1500 durch neue Befestigungen mit mehreren Geschützrondellen auf einem Hügel nördlich der Stadt erweitert worden. Der Festungsbau nahm zu jener Zeit sichtbar zu,  nicht zuletzt mit dem Aufkommen von Feuerwaffen. Wollten die Landesherren verteidigungsfähig bleiben, mussten sie Mauern und Verteidigungsanlagen verstärken.

Das Interesse für diesen  historischen Vormittagsrundgang war so groß, dass sich der Heimatverein entschied, angesichts der Corona-bedingten Abstandsregelungen zwei Durchgänge mit dem ausgewiesenen Experten, der seit 1996 in der archäologischen Feldforschung tätig ist,  anzubieten. Ein Angebot, das gern angenommen wurde.

Treffpunkt war nicht zufällig der Eingang zum Stadtpark, gegenüber dem heutigen Galerie-Café. Hier erklärte Ulrich Wiegmann anhand von Karten, Plänen und Zeichnungen die einstige Ausdehnung der bemerkenswerten Burg- bzw. Schlossanlage, von der heute allerdings nur noch wenig zu sehen ist. Im Jahr 1641 war die Burg durch schwedische Truppen zerstört worden.  Eine Stadtansicht  von Anfang des 18. Jahrhunderts zeigt die Burg mit einer hohen Mauer. Der Festungsbau wird durch mehrere Bastionen mit Schießscharten verstärkt. Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Burganlagen unter dem letzten königlichen Amtmann Hubert komplett umgebaut. Wälle und Festungsmauern sind geschleift worden, der  etwa drei Meter breite Wallgraben wurde verfüllt. Es entstand so eine Wiese, die später zum heutigen Stadtpark  wurde.    

Auf einer groben Skizze von Marcus Cante, der 2015 in der Broschüre Brandenburgische Denkmalpflege unter dem Titel „Burg – Festung – Schloss – Gutshaus – Verwaltungsgebäude: Die Schlossanlage im Wandel der Zeiten“ ausführlich berichtete, sind die wichtigsten Stationen des Rundgangs eingezeichnet: Das im 13. Jahrhundert als Wasserburg angelegte Schloss als Hauptgebäude mit Seitengebäude, das Torhaus, der Pferdestall, das Remisengebäude, das Rondell und der Eingang zum Gewölbegang  am Nottekanal. Auf einer anderen Illustration ist deutlich der Verlauf des damaligen Burggrabens - von der Notte gespeist - erkennbar.  Gänzlich verschwunden und nur noch auf alten Zeichnungen sichtbar, die vor seinem Abriss wegen Einsturzgefahr im Jahr 1755 entstanden waren,  ist auch der mehr als 30 Meter hohe, um 1500 errichtete viereckige Burgturm vor dem Schloss. Wie der Archäologe erzählt, gab es einst einen Fluchttunnel zwischen Schloss und Turm. Noch erhalten präsentiert sich heute das einstige Torhaus der inneren Burg, einst über eine Zugbrücke erreichbar, wie Ulrich Wiegmann anschaulich vor Ort erläutert. Ursprünglich bildeten das Erdgeschoss und der Keller zusammen den etwa 20 Meter langen Tortunnel. Im Keller des Gebäudes befinden sich - durch eine Zwischendecke zum Erdgeschoss getrennt  - spätmittelalterliche Gewölbe. Mitte des 18. Jahrhunderts  ist das Torhaus unter König Friedrich II. zu einer Seidenbauanstalt umgebaut worden, wofür die beiden oberen Etagen entstanden. Allerdings wurden sie dann doch nicht entsprechend genutzt.  Später diente das alte Torgebäude unter anderem als Amtsgericht und Gefängnis.  Pläne, das Amts- bzw. Torhaus als Heimatmuseum des Kreises Teltow-Fläming einzurichten, wurden nie realisiert. Allerdings fand nach 1952 das Kreisarchiv sein Domizil in den Gemäuern. Zeitweilig wurde das Haus auch als kommunale Landwirtschaftsschule bzw. bis 1993 von der Kreisverwaltung genutzt.   

Berühmte Namen, die die Geschichte der Stadt prägten, sind mit Burg und Schloss eng verbunden: die Familie von Torgau,  Georg von Stein, Georg Quast, Kurfürst Joachim II., Hauptmann Eustachius von Schlieben. Und auch Hans Clauert, der märkische Eulenspiegel, soll einst an den Hof geladen worden sein. Bis zur Enteignung während der Bodenreform 1946  besaß die Familie Beußel das Gut.

Übrigens: Ursprünglich hatte Kurfürst Joachim II. große Pläne mit der Burg Zossen. Er wollte hier eine große Landesfestung bauen lassen. Doch nach genauer Prüfung seines damaligen Festungsbaumeisters entschied er sich schließlich - nicht zuletzt wegen  der günstigeren Verkehrsanbindung  - für den Ausbau der Spandauer Burg. Die Zitadelle ist bis heute erhalten und beliebter Ausflugs- und Veranstaltungsort.

Kurz & knapp

Aus der  einstigen Vorburgsiedlung entwickelte sich im 13. Jahrhundert die Stadt Zossen. Für die der Burg dienstpflichtigen Einwohner entstand weiter östlich der Kietz, 1430 schriftlich erwähnt.

Eine von Daniel Petzold um 1710  gezeichnete Ansicht Zossen lässt erahnen, wie die Stadt aussah, bevor prägende Bauten aus Mittelalter und Renaissance aus verschiedenen Gründen verschwanden.

Nach dem Aussterben der Familie von Torgau  gelangte die Herrschaft Zossen an den königlichen Rat Georg von Stein. Der wiederum verkaufte sie 1490 für 16 000 rheinische Gulden an Kurfürst Johann Cicero von Brandenburg.

Aus dem Gebiet der Zossener Herrschaft wurde ein eigenes Amt gebildet, das zu den größten und reichsten der Mark zählte. Es war in eine „Wendische Seite“ mit 22 Dörfern und eine „Deutsche Seite“ mit zehn Dörfern untergliedert.

Die Verwaltung oblag kurfürstlichen Amtshauptleuten, die im Schloss residierten und auch die Aufsicht über die obere Gerichtbarkeit hatten.

Als erster Hauptmann amtierte Georg Quast.

Zur Burg gehörten damals eine umfangreiche Ausrüstung mit Feuerwaffen, Vorräte an Pulver, Schwefel, Blei und Salpeter, aber auch ein Brauhaus, Küche, das Vorwerk mit Rindern und Schweinen sowie eine Schäferei auf dem Kietz.

Quelle:Marcus Cante,  Zossen:  Burg – Festung – Schloss – Gutshaus – Verwaltungsgebäude

Die Schlossanlage im Wandel der Zeiten; Brandenburgische Denkmalpflege 2015-1 / Neue Folge | Jahrgang 1 | Heft 2015-1    

Literarisches aus fünf Jahrhunderten

Vom lateinischen Poeten über die Wenden bis in die Gegenwart

Auf dem jüngsten Kraut- und Rübenmarkt an der Zossener Dreifaltigkeitskirche am 11. Juli 2020 gab es  diesmal nicht nur wie gewohnt diverse regionale Produkte zu kaufen, sondern auch einen von Kurt Liebau vorgestellten Überblick über die Zossener Dichter- und Schriftstellerszene der vergangenen fünf Jahrhunderte zu sehen, zusammengetragen zu einer kleinen Ausstellung und Teil der Veranstaltungsreihe des Heimatvereins „Alter Krug“ aus Anlass der urkundlichen Ersterwähnung Zossens vor 700 Jahren. Zossen, so heißt es zu dem Thema im Flyer des Vereins, sei literarisch auf den ersten Blick nahezu ein weißer Fleck, habe aber durchaus Bemerkenswertes aufzuweisen. Dem Laien sagen viele der aufgeführten Namen wie T(h)ielmannus Thiel(e), Friedrich Rudolf Ludwig Canitz oder Mjertyn Rychtar sicher wenig bzw. gar nichts, bekannter freilich sind Namen wie der von Schriftstellerin Eva Lippold, die 1994 in Kallinchen starb. Seit 1950 war die ehemalige Widerstandskämpferin gegen das Nazi-Regime freiberufliche Schriftstellerin und verarbeitete ihre Erfahrungen aus dem Widerstand und der Haftzeit mit der Herausgabe eines biographischen Lexikons mit Briefen und Lebensbildern ermordeter Widerstandskämpfer sowie in Romanen, Gedichten, Erzählungen und Briefpublikationen. Unvollendet blieb ihr literarischer Lebensbericht. Während die beiden ersten Teile der  Trilogie („Haus der schweren Tore“ und „Leben, wo gestorben wird“) 1971 und 1974 erschienen, liegt der dritte Teil „Die Fremde“ nur als Expose und in Vorarbeiten vor.

Nicht vergessen werden darf im Reigen der namhaften literarisch aktiven Zossener und Zossnerinnen die 1918 geborene Schriftstellerin Liselotte Senff. Sie starb 2001. Anlässlich ihres 95. Geburtstages  im Jahr 2013 war ihr eine Ausstellung im  Heimatmuseum „Alter Krug“ gewidmet, in der Besucher  Tagebücher, Briefe, ihre Schreibmaschine, aber auch viele persönliche Alltagsgegenstände der ehemaligen Zossener Sekretärin  sehen konnten, die leidenschaftlich gern schrieb. Für immer bleiben Werke wie „Die Zigeunerin oder 13 Tage ohne Ende“, „Unterwegs mit Wind und Wolken“ und „Im Zeitwandel“, entstanden zwischen 1996 und 2000.

Nicht nur für Historiker und Literaturliebhaber ist es also durchaus spannend zu erfahren, wer wann und wie in Zossen literarisch gewirkt hat oder sich auch nur von dem Städtchen hat inspirieren lassen. Der bereits erwähnte T(h)ielmannus Thiel(e) beispielsweise - seine genaue Schreibweise und sein Geburtsdatum lassen sich nicht exakt benennen – soll beispielsweise ein „trefflicher lateinischer Poet“ gewesen sein. So jedenfalls wird er in der „Teltowgraphie“ des Pfarrers Johann Christian Jeckel (1672-1737)  beschrieben. Im 16. Jahrhundert war lateinische Dichtkunst auch in Brandenburg zu Hause. Laut Jeckel war Thiele Sohn eines Mundkochs des Kurfürsten Joachim I., studierte an der Viadrina und wurde 1569 zum Rektor der Zossener Stadtschule sowie Prediger berufen. Um 1575 wurde er Superintendent und Oberpfarrer in Zossen. Er starb 1596 in Zossen. Von seinen Dichtungen, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts offenbar noch zugänglich waren, konnte bisher nichts gefunden werden. Lediglich eine von ihm verfasste  und 1571 in Magdeburg bei Drucker Joachim Walde veröffentlichte Monographie ist erhalten.

Erwähnung in der Ausstellung findet auch der Zossener Archidiakon Mjertyn Rychtar , dessen Fragment seiner sogenannten Wendischen Taufagenda (1543) sich heute im Sorbischen Kulturarchiv in Bautzen befindet.  Ein Archidiakon war in der römisch-katholischen Kirche die Bezeichnung für einen Amtsträger, der als Stellvertreter eines residierenden Bischofs wesentliche Verwaltungsaufgaben wahrnahm. Mit dem Jahr 1540 hielt  auch in Zossen die Reformation Einzug. Laut  Pfarrbuch für die Mark Brandenburg hatte Zossen zunächst zwei Pfarrer. Oberpfarrer war ein Michael Böttcher, zweiter Pfarrer war der Sorbe Rychtar, zu dessen Aufgabe als Archidiakon die Betreuung der Kirchengemeinden auf der wendischen Seite des Amtes Zossen gehörte.  Die Stadt Zossen, so geht aus alten Unterlagen hervor, hatte zu dieser Zeit um die 330 Einwohner, von denen nur die „oberen Chargen“ der Verwaltung und der Burg deutscher Herkunft waren. Auch der in der Ausstellung nachzulesende Bericht des Studenten und späteren Pfarrers Michael Francus über die Wenden in Zossen im Jahr 1591 belegt, dass Zossen zu diesem Zeitpunkt noch ein „wendisches“ Städtchen war, in dem auch das „Wendische“ Verkehrssprache war. 

Der (fast) vergessene Sohn dieser Stadt

Der Instrumentenmacher Bernhard Guricke aus Zossen stellte 1851 auf der 1. Weltausstellung in London ein Rosenholz-Klavier mit patentierter Technik aus

In einem Jubiläumsjahr wie diesem, in dem die Stadt Zossen „700 Jahre urkundliche Ersterwähnung“ begeht - von feiern kann angesichts der Corona-Pandemie keine Rede sein  -  schweift der Blick gern in die Historie und auf die Namen von Persönlichkeiten, die mit Zossen in Verbindung gebracht werden. So findet man bei Wikipedia unter anderem einen  Wilhelm Friedrich Adolph Gerresheim (1742–1814), Naturforscher und Arzt, einen Johann Friedrich Wilhelm Frey (1804–1879), preußischer Generalmajor, und einen Karl Friedrich August Lehmann (1843–1893), Stenograf und Erfinder der Stenotachygraphie, sowie viele andere mehr. Den Namen von Bernhard Guricke, einem am 6. Mai 1823 als Sohn des damaligen Kämmerers der Stadt, Friedrich Wilhelm Guricke,  in Zossen geborenen Klavierbauers sucht man indes vergeblich. Dabei ist seine Biografie - soweit nachvollziehbar -  mindestens ebenso  spannend wie seine technische Erfindung, die ihm  nachweislich  patentiert  wurde. Im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz existiert eine Patentschrift aus dem Jahr 1849, in der es heißt:

Der Instrumentenmacher B. Guricke zu Zossen ist unter dem 30. April 1849 ein Patent auf eine niederschlagende Mechanik bei Flügeln und Fortepiano’s, insoweit solche in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung für neu und eigenthümlich erkannt worden ist, so wie auf eine durch Zeichnung und Beschreibung erläuterte, in ihrer ganzen Zusammensetzung für neu und eigenthümlich erkannte Doppel- oder Harfen-Resonanz, auf sechs Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang  des Preußischen Staats ertheilt worden.

 Zwei Jahre später - 1851 - stellte Guricke  ein „Grand piano in rosewood“ - ein Rosenholzklavier mit „powerful mechanism“ - auf der 1. Weltausstellung in London aus und sorgte dort für Aufsehen bei den Experten.  Sein Name findet sich unter der Rubrik „Zollverein und Hamburg“ in trauter Gesellschaft mit Ausstellern aus Münster, Wesel am Rhein, Berlin und Merseburg. So weit so gut.

Im Jahr 2012 meldete sich eine Frau aus Leipzig in der Lokalredaktion Zossen der  MAZ und schrieb, dass sie zufällig ein echtes Guricke-Klavier in ihrer kleinen Wohnung zu stehen habe. Daraufhin wurden die Recherchen nach dem Mann intensiviert, dessen Spur sich aber  irgendwann verlor. 2013 schließlich ließ die Stadtverwaltung Zossen das Klavier aus Leipzig holen - dank fachmännischem Transport einer Spezialfirma -,  nachdem Zossener Bürger einem Aufruf der Lokalzeitung gefolgt waren und für das sehr gut erhaltene Stück gesammelt hatten. Dem Klavier wurde ein bemerkenswert optisch guter Zustand mit sehr schöner Maserung bescheinigt. Die vergilbte, noch original erhaltene Tastatur ist aus Elfenbein. Keine Spur von Wurm im Holz. Dem Innenleben sieht mal allerdings schon das Alter an. Ein handschriftlicher Vermerk im Inneren des Instruments bestätigt:   Am 20. 8. 64 das letzte Mal gestimmt. Als die Leipzigerin das Klavier 2010 für zwei chinesische Gaststudenten stimmen lassen wollte, rieten ihr renommierte Klavierstimmer davon ab. Man würde der noch original vorhandenen Unterdämpftechnik keinen Gefallen tun, hieß es damals. Beim Unterdämpfer-Klavier sitzen die Dämpfer unterhalb der Hämmer, die man an ihrer elliptischen Form gut erkennen kann.

Nachdem die Geschichte von Bernhard Guricke vor Jahren publik wurde, hatte sich Karin Carlsson, geborene Guricke, gemeldet. Sie selbst wohnte zu diesem Zeitpunkt  im schwedischen Helsingborg. Bernhard Guricke, so schrieb sie, sei ihr Urgroßvater. Viel wisse sie auch nicht über ihn, denn die Familie habe nichts von ihm erzählt. „Es ist ein Rätsel“, meinte sie. Und doch waren Karin Carlssons biografische Angaben zu ihrem Urgroßvater wieder ein paar wertvolle Teile in einem noch lange nicht vollendeten Puzzle. Demnach wurde Wilhelm Karl Bernhard Guricke am 6. Mai 1823 in Zossen geboren. Seine Eltern waren Friedrich Wilhelm Guricke – einst Stadtkämmerer in Zossen – und Charlotte Wilhelmine, geborene Fouquet. Bernhard Guricke hatte fünf Geschwister – zwei Schwestern und drei Brüder. „Wo er das Klavierbauen gelernt hat, weiß ich nicht“, so seine Urenkelin. Am 25. April 1854 heiratete Guricke in Hamburg eine Friederike Elisabeth Caroline, geborene Appel. Deren Vater soll zwei große Häuser in der Rathausstraße und eine Segelmacherei mit 30 Angestellten gehabt haben. Carlsson bestätigte frühere Recherchen, wonach ihr Urgroßvater unter anderem in Klavierfabriken in Paris und London gearbeitet haben soll. In der Zeit zwischen 1855 und 1860 war er in Leipzig tätig. In dieser Zeit wurden auch fünf seiner Kinder geboren. Später kamen vier weitere Kinder zur Welt, unter anderem eine Tochter und ein Sohn im sächsischen Glashütte, wo Guricke nach Angaben seiner Urenkelin 1872 ein Grundstück von Moritz Grossmann, dem Gründer der Deutschen Uhrmacherschule in Glashütte, gekauft haben soll. Dort in der Dresdner Straße 29 errichtete Guricke eine Klavierfabrik. „1900 wurde das Haus verkauft“, so Karin Carlsson. „Vermutlich haben der Sohn Arthur G. und sein Bruder Rober G. – mein Großvater – von der Pianoforte-Fabrikation abgelassen und sich der Uhrengehäuse-Produktion zugewandt“, so die Schwedin. In der Kunsttischlerei Guricke sei unter anderem das Gehäuse der berühmten Hermann-Goertz-Uhr gefertigt worden. Sie steht heute im Uhrenmuseum in Glashütte. Wie Karin Carlsson damals weiterhin schrieb, starb ihr Urgroßvater am 27. August 1906 in Leipzig.

Seit dem Transport von Leipzig in die Heimatstadt seines Erbauers steht das Guricke-Klavier im Raum der Ortschronisten im Wünsdorfer Bürgerhaus und wartet darauf, endlich der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. Was also läge näher als dies im Jubiläumsjahr 2020 zu tun, dachte sich auch der Heimatverein „Alter Krug“. Allerdings wird nun nach einem geeigneten, öffentlichen Platz für das historische Instrument gesucht. Ideen und Vorschläge sind gefragt.     

Zwischen Kiefer, Baumstamm und dreizackigem Fischspeer

Zossens heutiges Wappen weist eine wechselvolle Geschichte auf

„In Silber zwischen einem jeweils querliegenden roten Baumstamm mit abgeschnittenen Ästen und dreizackigen schwarzen Fischspeer wachsend eine rote Kiefer mit grüner Krone“ – so wird offiziell das heutige Wappen der Stadt Zossen beschrieben. Die Änderung im Vergleich zu seinem Vorgänger ist deutlich: Der zweite Baumstamm wurde durch einen dreizackigen Fischspeer ersetzt, die Krone der Kiefer ist filigraner gestaltet. Inzwischen ist unbestritten, dass der aus dem Slawischen stammende Name der Stadt Zossen eng mit dem Wappen verwoben ist. In dem vom Heimatverein „Alter Krug“ 1996 herausgegebenen Buch  „Zossen – ein märkisches Städtchen“ hat sich Uwe Stuck ausführlich mit dem Thema auseinandergesetzt. So zitiert er aus einer bis heute gültigen und umfassenden Erklärung aus dem Jahr 1855 im Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgraftums Niederlausitz, dass sich die inhaltliche Bedeutung des Stadtnamens über die Jahrzehnte entwickelt hat: „Schloß und Stadt Zossen werden in älteren Urkunden fast immer mit dem weiblichen Artikel die Czossen, to der Czossen, zur Czossen und am allerfrühesten Czossne genannt, und zwar ganz richtig, denn der Name ist das rein slawische Wort ‚Ssossna‘, welches weiblichen Geschlechts ist und zu Deutsch die Kiefer, Pinus sylvestris, heißt . . .“ Laut Stuck fand später eine Germanisierung des gebräuchlichen Namens statt. So wurde aus dem slawischen „S“ bzw. aus dem „C“ ein deutsches „Z“.

Bereits im 15. Jahrhundert soll ein Siegelabdruck erwähnt worden sein, der einen Baum mit zwei identischen Querstämmen darstellt. Lange Zeit stritten sich die Gelehrten darüber, ob es sich bei dem dargestellten Baum um einen Laubbaum, möglicherweise eine Eiche, handeln könnte oder – was naheliegender war – um eine Kiefer. So war unter anderem auch die Rede von „einem grünen krausen Baum“. Erwähnung fand auch „des Neptuni drei zinckige Gabel“. Wie Uwe Stuck weiter schreibt, findet sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts erstmals ein Siegel, das den Beginn der Einführung des Fischspeeres in das Siegel anzeigt. In einem aus dem 19. Jahrhundert stammenden Siegelschnitt ist indes ein auf Gras wachsender Baum zu sehen, der von einem gefiederten Pfeil durchbohrt wird. Um 1878 erschienen laut Stuck  Siegel, die eine dreitürmige Burg mit zwei Toren zeigen. Zwischen den Toren prangt ein Schild, auf dem ein Baum mit unten liegendem Stubben und einem gefiederten Pfeil darüber zu sehen ist. Um die Jahrhundertwende kam das alte Siegel mit Baum und den zwei querliegenden Stämmen bzw. Stubben wieder in Gebrauch. Die wohl erstmals veröffentlichte farbige Darstellung des Zossener Wappens mit grünem Baum und silbernem Schild findet sich laut Stuck Ende des 19. Jahrhunderts in dem von Otto Hupp verfassten Werk „Die Wappen und Siegel der deutschen Städte, Flecken und Dörfer“.  Im 20. Jahrhundert finden sich zahlreiche unterschiedliche Wappendarstellungen und Siegelschnitte: Uwe Stuck schreibt dazu: „In loser Reihenfolge wechseln sich in den Wappendarstellungen ab: Laubbaum, Kiefer, zwei Querstämme bzw. Stubben, Fischspeer, Neptunspeer, Zinnen, Wehranlagen als auch ein auf Rasen wachsender Baum und weitere Unsinnigkeiten, die mehr oder weniger glücklich grafisch bearbeitet waren.“

Mitte der 1990er Jahre schließlich wollte die Stadt Zossen unter Mitwirkung des Heimatvereins „Alter Krug“ Klarheit in die Wappenangelegenheit bringen, nicht zuletzt, um vom Innenministerium des Landes Brandenburg die Bestätigung für ein gültiges Wappen zu bekommen. Schließlich beschlossen die Stadtverordneten das heutige Stadtwappen, das am 16. Oktober 1996 genehmigt und nach der Gemeindegebietsreform 2003 am 22. Juni 2004 bestätigt wurde. Auch das Dienstsiegel der Stadt Zossen zeigt dieses Wappen und trägt die Schriftzüge „Stadt Zossen“ und  „Landkreis Teltow-Fläming“.
Übrigens ist laut kommunaler Hoheitszeichenverordnung aus dem Jahr 2009 „die Abbildung kommunaler Wappen zu künstlerischen und wissenschaftlichen Zwecken sowie zu Zwecken des Unterrichts und der staatsbürgerlichen Bildung jedermann erlaubt. Jede andere Verwendung bedarf der Genehmigung der wappenführenden Körperschaft.“

Metallkunst im öffentlichen Raum

Einst zierte es den Bahnhofsvorplatz, dann verschwand es in der Versenkung – das große Zossener Stadtwappen aus Metall, gestaltet vom renommierten Künstler Dietrich Rohde. Mit dem Umzug des städtischen Bauhofs nach Wünsdorf tauchte es  schließlich wieder auf. Die Zossener Rundschau titelte danach am 23. Dezember 2011: „Kunstwerk sucht Standort / Nach rund zehn Jahren ist es wieder aufgetaucht - Zossens Stadtwappen“. Weitere fünf Jahre vergingen, bis das Kunstwerk einen würdigen Platz im öffentlichen Raum erhielt. Mit der Fertigstellung der Außenanlagen hinter dem sanierten Fachwerkhaus Kirchplatz 7 wurde das große Wappen im September 2016 dort aufgestellt. Nachdem Anfang des Jahres in den Fahrstuhl des Hauses die aus dem alten Standesamt des Rathauses stammenden bunten Glasfenster der Künstlerin Ursula Stieff aus Rangsdorf  gelungen integriert worden sind, fand damit auf dem Areal hinter dem denkmalgeschützten Haus ein weiteres Kunstwerk seinen gebührenden Platz. Besuchern, die sich mit der Zossener Heimatgeschichte und der Historie des Stadtwappens etwas auskennen, wird auffallen, dass das Kunstwerk nicht ganz die heute gültige Fassung des Wappens darstellt, sondern eine Version mit Baum, anderthalb  Querstämmen und einem kurzen dreizackigen Fischspeer. Bekanntlich wurde Zossens heutige Wappen erst 1996 bestätigt bzw. 2004 genehmigt. Inzwischen hat der Platz eine weitere Veränderung durchgemacht. Nachdem  die stattliche Esche auf dem Platz 2018 dem weitverbreiteten Eschentriebsterben zum Opfer gefallen ist und nicht mehr zu retten war, hatte die  Stadtverwaltung an gleicher Stelle eine große Kiefer - sie ist  der Wappenbaum der 1320 erstmals urkundlich erwähnten Stadt Zossen - pflanzen und die Rundbank erneuern lassen.

Zossen entging einst nur knapp der Eingemeindung nach Groß-Berlin

Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr „700 Jahre urkundliche Ersterwähnung Zossens“

Zossen. Auf großes Interesse stieß die vom Heimatverein „Alter Krug“ und dem Verein „Bildung und Aufklärung in Zossen“ (BAZ) initiierte Auftaktveranstaltung im Jubiläumsjahr „700 Jahre urkundliche Ersterwähnung von Zossen“. Sie fand am 18. Januar 2020 im evangelischen Gemeindesaal in Zossen statt. Karl-Heinz Bannasch vom Geschichtsverein Berlin-Spandau berichtete vor gut 80 Zuhörern in seinem Vortrag, wie und warum es vor 100 Jahren zur Bildung der Einheitsgemeinde Berlin gekommen war und dass dies zu grundlegenden Veränderungen der Strukturen im Umland von Groß-Berlin führte, die auch um Zossen keinen Bogen machten. Allerdings blieb Zossen - anders als viele andere Orte - von einer Eingemeindung verschont.

Nach der offiziellen Begrüßung durch die Vorsitzende des Heimatvereins, Karola Andrae, dankte Bürgermeisterin Wiebke Schwarzweller ihr und Elisabeth Kunkel von BAZ mit herzlichen Worten und Blumen für deren Engagement für die Organisation der Veranstaltungsreihe 2020 anlässlich der urkundlichen Ersterwähnung Zossens vor 700 Jahren. Wie Karola Andrae betonte, werde es jeden Monat eine spezielle Veranstaltung im Rahmen dieses Jubiläums geben. „Alle Termine stehen fest, alle Referenten sind gebucht, alle Räume gemietet.“

Der Historiker Karl-Heinz Bannasch erinnerte in seinem Vortrag daran, dass vor 100 Jahren, am 1. Oktober 1920, Groß-Berlin in der Form wie es heute bekannt ist, gebildet worden ist. Im April 1920 sei das so genannte Groß-Berlin-Gesetz in der verfassungsgebenden Preußischen Landesversammlung verabschiedet. Berlin stand bereits seit Jahren an der Schwelle zur Metropole, ohne diese Funktion wirklich füllen zu können. Die Stadtväter suchten einen Weg, um zur Weltstadt zu werden“, so Bannasch. Mit seiner Entstehung zum 1. Oktober 1920 war Groß-Berlin mit 3,8 Millionen Einwohnern nach London und New York die bevölkerungsreichste und mit 878 Quadratkilometern nach Los Angeles die flächenmäßig größte Gemeinde der Welt. Letztendlich war in einem Radius von 15 bis 20 Kilometer um die alte Berliner Stadtmitte eingemeindet worden, was allerdings laut Karl-Heinz Bannasch lediglich ein Kompromiss war: „Die Forderungen gingen bis zu 50 Kilometer und mehr und dann wäre auch Zossen eingemeindet worden.“ Die Stadt Zossen zählte also nicht mehr zu dem engeren Speckgürtel um Berlin, obwohl - wie der Historiker in seinem Vortrag feststellte - sich gerade seit Einführung der neuen Eisenbahnlinie Berlin-Dresden und mit Gründung der Vorortbahn Zossen-Berlin als günstiges Verkehrsmittel neue Absatzmärkte für Berlin erschlossen. „Zossen erfuhr eine kleinere Industrialisierung - mit der Gründung von Ziegeleibetrieben, aber auch Zement, Kunststein und eine Kalkbrennerei und dann 1919 einer Maschinenfabrik, so blieb Zossen außerhalb Berlins“, so Karl-Heinz Bannasch. Anders der Altkreis Teltow. Er  verlor damals nicht nur neun Zehntel seiner Finanzkraft an Berlin, sondern nochmals durch die vollzogene Bildung Groß-Berlins 25 Gemeinden und 7 Gutsbezirke an die Hauptstadt. 1919 zählte Teltow 537 000 Einwohner, deutlich über eine halbe Million, nach der Schaffung des „neuen Berlins“ waren es nur noch zirka 114 000 Einwohner. „Der langjährige Kampf, den auch andere Kommunen führten, war verloren. Teltows Aderlass war immens. Auch die beiden bedeutenden Landräte von Stubenrauch und von Achenbach konnten die eklatante Verkleinerung ihres Landkreises nicht verhindern“, erklärt Karl-Heinz Bannasch. Wenn er heute die eigentlichen Gründerväter des modernen Berlins zu benennen hätte, würden dem Fachmann drei Männer einfallen: Dr. Hugo Preuß, Dr. Adolf Wermuth und Alexander Dominicus. Sein Fazit: Der besondere Charme durch den einstigen Zusammenschluss vieler unterschiedlicher Städte und Gemeinden ist Berlin bis heute geblieben.

 

Der märkische Eulenspiegel

Auch in Zossen trieb Hans Clauert einst Schabernack mit den Oberen

Zossen. Auch wenn der Schelm Hans Clauert nie ganz die Berühmtheit eines Till Eulenspiegels erlangte, tragen etliche Straßen und Einrichtungen in seinen einstigen Wirkungsstätten  seinen Namen, wurde ihm in seinem Geburtsort Trebbin sogar ein Denkmal gesetzt und ein Haus sowie die Stadtbibliothek nach ihm benannt. Und auch im Zossener Stadtpark erinnert eine Holzstele an den Schalk aus dem Mittelalter und einen seiner bekanntesten Streiche „Wie Clauert an seiner Statt den Kerkermeister gefangen setzte“.

Dass diese Geschichte mit Eustachius von Schlieben - seines Zeichen Hauptmann von Zossen -  in einer Hauptrolle laut Stadtschreiber Bartholomäus Krüger in Zossen spielte, dessen urkundliche Ersterwähnung vor 700 Jahren in diesem Jahr begangen wird, ist natürlich ein Grund mehr, sich im Jubiläumsjahr ausführlich mit dem Leben und der Geschichte des Hans Clauert zu beschäftigen. Noch dazu, wo es mit dem Historiker-Ehepaar Engel aus Klausdorf gleich in der Nachbarschaft echte Clauert-Experten gibt, was Evamaria und Gerhard Engel am 22. Februar 2020 im Saal der evangelischen Gemeinde in Zossen anschaulich und überzeugend bewiesen. Auf Einladung des Heimatvereins „Alter Krug“ und des Vereins „Bildung und Aufklärung in Zossen“ hielten sie vor rund 60 aufmerksamen Zuhörern einen ebenso interessanten wie amüsanten Vortrag über den märkischen Eulenspiegel, wie Clauert auch gern genannt wird. Dabei konnten sich die Beiden nicht zuletzt auf ihre umfangreichen und fundierten  Recherchen sowie die 37 Geschichten über Hans Clauert und dem Autor Bartholomäus Krüger stützen, die sie  erstmals 1999 und später in einer aktualisierten Nachauflage 2008 herausgegeben haben, nachzulesen in dem Buch „Hans Clauert - der märkische Eulenspiegel“.

Wann Hans Clauert, früher Clawert geschrieben, als Sohn eines Peter Clauert in Trebbin genau geboren wurde, ist nicht bekannt. Es soll um 1506 gewesen sein. In Zerbst/Anhalt soll er den Beruf des Schlossers erlernt haben und anschließend auf Wanderschaft gegangen sein, die ihn bis nach Ungarn führte. Schließlich kehrte er nach Trebbin zurück, gab seinen erlernten Beruf auf und betätigte sich als Viehhändler. Die so erzielten Gewinne verlor er jedoch mehrfach beim Karten- und Glücksspiel. Dies führte zum Streit mit seiner Ehefrau Margarete, die ihn vor dem Kurfürsten Joachim II. verklagte. Der Herrscher, der sich zu dieser Zeit in Berlin aufhielt, bestellte den Schalk zu sich, der sich durch pfiffige Intelligenz bei Hofe bald beliebt machen konnte. Clauert wurde nun häufig zu Hoffesten auf das kurfürstliche Schloss geladen und trieb dort seine lustigen Streiche, weswegen er auch als Berliner Eulenspiegel bezeichnet wurde. Hans Clauert starb 1566 an der Pest. Übrigens anders als im Vortrag von Evamaria und Gerhard Engel. Die beiden ansonsten so akribisch arbeitenden Wissenschaftler suchten zum Schluss ihrer Ausführungen die Seite über Clauerts Tod. Sie war einfach nicht aufzufinden, worauf Gerhard Engel seine Frau fragte: „Auf welcher Seite stirbt er denn?“

Wiedersehen mit einem „guten alten Stück“

Im Jubiläumsjahr soll Zossens Ratswaage als Bad Belziger Leihgabe ausgestellt werden

Zossen/Bad Belzig. Gute Nachricht für alle an der Zossener Heimatgeschichte Interessierten: Auf Initiative des Heimatvereins „Alter Krug“ soll aus Anlass der urkundlichen Ersterwähnung vor 700 Jahren in diesem Jahr ein besonderes, eng mit der Geschichte des Ortes verbundenes Museumsstück vorübergehend zurück nach Zossen geholt werden. Es handelt sich dabei um die alte Zossener Ratswaage aus dem Jahr 1713, die einst nach der Auflösung des früheren Museums des Teltow zunächst als verschwunden galt, später aber im heutigen Heimatmuseum von Bad Belzig auf der Burg Eisenhardt  entdeckt worden war, nicht zuletzt dank der Recherchen von Silvio Fischer, langjähriger Leiter des heutigen Museums des Teltow.

 „Wir haben die Zusage aus Bad Belzig, dass man uns die Ratswaage anlässlich des Jubiläums zeitweise als Leihgabe überlässt“, so Karola Andrae, Vorsitzende des Heimatvereins. Das gute Stück solle dann vorübergehend in einem Schaufenster in der Berliner Straße platziert werden. Die öffentliche Präsentation wäre eine prima Ergänzung zu dem vom Verein „Bildung und Aufklärung in Zossen“ für die am 8. August geplante Veranstaltung „Aus der Geschichte des Markttreibens in Zossen, in der es auch um den Marktflecken Zossen am Fuße der schützenden Burg geht, wie es in der Ankündigung heißt.

Bereits 2013 hatten sich Mitglieder des Heimatvereins auf den Weg nach Bad Belzig gemacht, um sich die etwa drei Meter hohe Ratswaage mit ihrem Drehbein und den daran hängenden zwei Wiegeschalen mit eigenen Augen anzuschauen. Über diesen Besuch war sogar in den regionalen Medien berichtet worden. So hieß es dort unter anderem: „ ‚Die Herrschaften waren auf der Suche nach ihrer alten Ratswaage‘, so Thomas Schmöhl. Minuten später standen sie derselben feuchten Auges gegenüber . . .  ‚Ein älterer Herr, um die 80, erinnerte sich sogar noch daran, wo die Waage in Zossen stand‘, erzählt der Museumsleiter. Am Ende zeigte sich die Gruppe überglücklich, weil sie in der Ferne die alte Ratswaage gut aufgehoben vorfand.“

Zu dem Exponat, das laut einem anderen Bericht zu den Lieblingsstücken des Bad Belziger Museumsleiter zählt, gehört auch das Schild mit folgender Aufschrift: „Ratswaage 1713 (Zossen). Märkte gehörten zu den wichtigsten Ereignissen des städtischen Lebens. Belzig 1702, Fälschung von Gewichten ’20Gr. Straffe, oder nach Befinden höher’. Bitte nicht anfassen.“

Später gab es in Vorbereitung der Eröffnung des umfangreich sanierten, denkmalgeschützen Fachwerkhauses Kirchplatz erste Überlegungen, die Ratswaage nach Zossen zu holen, um sie öffentlich zu präsentieren. Doch mangelte es angesichts der Höhe des historischen Museumsstücks an einem geeigneten Raum, so dass man sich damit begnügen musste, je ein großformatiges Foto von der stattlichen Ratswaage sowie von der ebenfalls in Bad Belzig stehenden Zossener Töpferscheibe im Treppenhaus unterzubringen, zu sehen bei einem Besuch im Schulmuseum.
Auch wenn derzeit noch nicht geklärt ist, wann und wie der Transport der Leihgabe von Bad Belzig nach Zossen erfolgen soll, wächst nicht nur im Heimatverein  die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit der alten Ratswaage.

 

Eine gelungene Überraschung

Im Jubiläumsjahr der Stadt Zossen erhielt der Heimatverein aus dem Nachlass einer Hamburgerin mit Zossener Wurzeln den zweiten Band einer vom Stadtchronisten Louis Günther verfassten Broschüre

Zossen. „Zusendung aus Nachlass“ steht über dem Schreiben des Wartberg-Verlags an Karola Andrae, Vorsitzende des Heimatvereins „Alter Krug“. Dieser pflegt seit Jahren enge geschäftliche Beziehungen mit dem Verlag. So erschienen dort unter anderem solche vom Heimatverein herausgegebenen Publikationen wie „Unser Zossen. Kulturhistorische Wanderungen durch die Stadt Zossen“, „Spinnstubenzauber: Sagen, Geschichten und Schnurren aus der Zossener Region“  oder „Zossen und seine Ortsteile – Auf den Spuren historischer Ansichten“.  Bei der „Zusendung aus Nachlass“  handelt es sich um Aufzeichnungen des 1946 verstorbenen Zossener Stadtchronisten Louis Günther, zusammengefasst in Band 2 unter dem Titel „Die Geschichte der Stadt Zossen“.  Sie stammen aus dem Nachlass der verstorbenen Mutter einer Hamburgerin. Da die Frau die schon arg lädierten Aufzeichnung nicht vernichten wollte, wandte sie sich an den Verlag, der wiederum an den Heimatverein. Karola Andrae freut sich über die überraschende Zusendung, die natürlich gerade im Jubiläumsjahr der Stadt, die vor 700 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde, von besonderer Bedeutung ist.
Wie Louis Günther, der nach dem Ersten Weltkrieg begonnen hatte, über die Geschichte Zossens zu recherchieren, in dem Vorwort schreibt, solle „in nachfolgenden Zeilen versucht werden, die Geschichte und Entwicklung der Stadt Zossen und ihrer Einrichtungen möglichst vollkommen zu beschreiben“.  Die Notwendigkeit dazu habe sich aus dem Umstand ergeben, dass ein solches Werk  bisher nicht vorhanden sei. Wie Günther aufzählt ist der Stoff für den Inhalt des Buches aus folgenden Quellen entnommen:
1. Aus Riedels Urkundensammlung über die Geschichte der Provinz Brandenburg,
2. Aus der Sammlung Preußischer-Kurfürstlich-Brandneburguscher publizierter und ergangener Ordnungen, Edikte pp.,
3. Aus der Eulenburgschen Familiengeschichte,
4. Aus dem Amtserberegister vom Jahre 1655,
5. Aus der vaterländischen Geschichte von Otto Hintze und
6. Aus den Stadtakten von Zossen, wobei die Aufzeichnungen des Bürgermeisters Greiser und die des Lehrers Möllwitz als besonders in der Sache dienlich, hervorzuheben sind.

Louis Günther, dessen Aufsätze zur Geschichte der Stadt Zossen unter anderem im „Teltower Kreiskalender“, im „Zossener Stadt- und Landboten“, im „Teltower Kreisblatt“ veröffentlicht  wurden, legte Wert darauf, die Urkunden, die auf Zossen und seine Geschichte Bezug haben, nicht wörtlich wiederzugeben. Seine Begründung:  „Mit ihrem vielen Latein und ihrer eigenartigen Schriftweise“ seien sie für die Allgemeinheit nicht verständlich. Und so glaubte er, mit ihrer chronologischen Aufführung genügend getan zu haben.

Wie aus seinem Vorwort des Weiteren hervorgeht, war Louis Günther davon überzeugt, „daß mir zwar mein Vorsatz, recht viel zu bringen, geglückt ist, daß aber noch vieles übrig geblieben ist, was der Aufklärung harrt.“   Der einstige Zossener Stadtinspektor  wusste, dass das Werk nicht fehlerfrei sei - „insbesondere dort nicht, wo ich eigene Schlüsse ziehen mußte“ -,   glaubte aber trotz alledem  „bescheidenen Ansprüchen zu genügen“.

Aus dem Leben des Zossener Stadtchronisten Louis Günther
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geboren am  3. Juni 1868 im thüringischen Apolda
- Lehre als Maschinenschlosser
- 1886 bis 1890 Militärdienst in der Kaiserlichen Marine
- 1892 bewarb sich Günther auf eine Stelle im preußischen Zossen
- Hochzeit in Apolda, 1893 Übersiedlung nach Zossen
- Bürgermeister Hugo Regener bietet Günther eine Stelle als Verwaltungsgehilfen in der Stadtverwaltung an
- 1899: Bürgermeister Dr. Otto Wirth befördert Günther zum „Bureauvorsteher“
- 1906 baute Günther für seine inzwischen siebenköpfige Familie an der heutigen Gerichtstraße ein Haus
- mit Beginn des Ersten Weltkriegs erhielt Günther den  Einberufungsbefehl und wurde zum Sanitätssoldaten ausgebildet
- nach Kriegsende kehrte er in die Stadtverwaltung zurück, wurde zum Oberinspektor berufen und zum Standesbeamten  ernannt (als Vertretung des Bürgermeisters)
- Günther fasste seine Artikel über Zossen Anfang der 1930er Jahre zu einer „Chronik von Zossen“ zusammen, gedruckt wurde damals aber nur eine wenige Seiten umfassende Kurzform
- am 1. Oktober 1933  geht Louis Günther nach mehr als 40-jähriger Dienstzeit zusammen mit Bürgermeister Dr. Wirth in den Ruhestand
- nach seiner Pensionierung  widmet sich Günther  noch intensiver mit der Geschichte der Stadt und des alten Zossener Amtes, forscht in großen Archiven, überarbeitet und erweitert sein bisheriges Werk
-1935 liegt diese Fassung vor
- Louis Günther starb am 11. Oktober 1946, auf dem Zossener Friedhof fand er seine letzte Ruhestätte, sein Grab wurde in den 1960er Jahren eingeebnet
- in Zossen ist eine Straße nach ihm benannt worden
Quelle: „Zossen – ein märkisches Städtchen“; Hans-Joachim Günther: „Aus dem Leben des Zossener Stadtchronisten Louis Günther“ 

 

 

Aus Zossen und Umgebung

700 Jahre Stadt Zossen?

Eine historische Betrachtung von L. Günther, Stadtinspektor i. R.

Wer diese Frage beantwortet haben will, bekommt meist die Antwort, daß Zossen seit dem Jahre 1546 als Stadt gilt. Demzufolge könnte Zossen in 4 Jahren auf eine 400jährige Vergangenheit als Stadt zurückblicken. Schon im Jahre 1846 nahmen die damaligen Stadtväter einen Anlauf, den 300jährigen Bestand von Zossen als Stadt festlich zu begehen. Aber leider konnte der gute Wille nicht zur Ausführung gebracht werden, weil die Stadtkasse leer war. Die Stadtverordneten antworteten dem Magistrat auf seinen Antrag, eine Feier zu veranstalten, buchstäblich: Es wäre zwar wünschenswert, wenn die Stadt selbst, wie auch die Kämmereikasse sich in einem guten Zustand befände, leider ist dieselbe sehr erschöpft und können aus diesem Grunde die Mittel zu einer Feier nicht bewilligt werden.

Quelle: Die Geschichte der Stadt Zossen, verfaßt von Louis Günther, Band 2

Von A wie Abitur bis Z wie Zeugnis

Auf einem neuen Schulwanderweg können einstige und heutige Bildungseinrichtungen erkundet werden

Hätten Sie gewusst, wo sich im heutigen Zossen das älteste Schulgebäude der Stadt befindet? Oder dass die Goethe-Grundschule früher eine Allgemeine Berufsschule war?  Sicher, die geschichtskundigen Mitstreiter des vom Heimatverein betriebenen Schulmuseums im Haus Kirchplatz 7 wären um die Antworten nicht verlegen und könnten bestimmt ganze Geschichten dazu erzählen. Ja also, warum sich nicht einmal auf Spurensuche nach früheren und heutigen Bildungseinrichtungen begeben und einen Wanderweg von Schule zu Schule zu beschreiben? Diese Idee verfolgte der Heimatverein „Alter Krug“ schon seit einiger Zeit und hat diese nun umgesetzt. Leider musste die für April geplante und im Programm-Flyer „700 Jahre urkundliche Ersterwähnung Zossens“  angekündigte öffentliche Einweihung des Schulwanderwegs abgesagt werden. Stichwort Corona. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Bis aber ein neuer Termin feststeht, wird  derzeit in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung  ein Flyer erarbeitet. Mit diesem kann dann jedermann auf eigene Faust eine Wanderung zu den Orten unternehmen, an denen Zossener Schulgeschichte geschrieben worden ist. Der Wanderweg umfasst acht Stationen, die an dieser Stelle schon einmal vorgestellt werden.

Station1: Das Haus Kirchplatz 1 ist das Gebäude der im Jahr 1818 fertiggestellten  Zossener Stadtschule. Dieses Fachwerkhaus verfügte über drei Klassenräume mit zugehörigen Lehrerwohnungen und einem Raum für die von 1797 von Inspektor Bauer gegründete Industrieschule.  Für diesen Schulbau hatte  Inspektor Bauer bereits 1804 von der Königlichen Regierung nach zahlreichen Bemühungen eine Summe von 4.000 Talern bewilligt bekommen. Der 1806 begonnene Bau stockte wegen des Napoleonischen Krieges. In diesem Haus  wirkte von 1837 bis 1879 Ferdinand Ludwig Fischer als Konrektor. Er ist der Verfasser zahlreicher Bücher, so der "Aufsatzlehre für Volksschulen", einer methodischen Anleitung mit vielen Beispielen zum Anfertigen von Berichten, Beschreibungen, Briefen etc. Neben weiteren Schriften verfasste er auch das Buch "Leitfaden für den Unterricht in der Geschichte für Volksschulen". Mit diesen Büchern prägte er die Wissensvermittlung und einen sehr kultivierten Gebrauch der deutschen Schriftsprache. Bei dem im Jahr 1907 erfolgten Anbau und der Neugestaltung der gesamten Fassade entdeckte man über der Haustür eine Flasche mit 5 Papierstreifen, die einen im Jahr 1816 verfassten Bericht des damaligen Inspektor Wolf enthielten, die  als historische Chronologie über Zossener Schul- und Wirtschaftsverhältnisse genutzt werden kann. Die Zossener Stadtschule, seit 1949 Goetheschule genannt, tauschte 1968 das Gebäude mit der Berufsschule in der Gerichtstraße.

Station 2 und 3:  Die Häuser Kirchplatz 2 und 3 wurden im Jahr 1746 als sogenannte Predigerhäuser erbaut. Sie dienten als Wohnung für den Inspektor (Superintendent) und den Archidiaconus (1. Pfarrer). Bei der Sanierung von Kirchplatz 2 wurde der Weg von der Haustür zur Sakristei der Kirche mit besonderem Pflaster gestaltet und zeigt, wie die Prediger von ihrem Wohnhaus zur Kirche gelangten. Durch einen Grundstückstausch mit der Kirche gelangte dieses Haus in das Eigentum der Stadt Zossen. So konnte es, als nach dem 2. Weltkrieg die Schülerzahl der Zossener Stadtschule stark angestiegen war, bis zum Umzug der Goetheschule in die Gerichtsstraße im Jahr 1968 als zusätzliches Schulhaus mit mehreren Klassenräumen genutzt werden. Bei der Rekonstruktion kam das schöne Fachwerkhaus wieder zum Vorschein. Seit 1999 ist hier der Sitz der Zossener Stadtbibliothek. In einem Teil des Obergeschosses befand sich das 2002 gegründete Schulmuseum bis zu dessen Umzug in das rekonstruierte Fachwerkhaus Kirchplatz 7. Heute steht das ganze Gebäude der Stadtbibliothek zur Verfügung. Kirchplatz 3 ist noch heute Pfarrhaus. Es wurde 1995 saniert.

Das Haus Kirchplatz 3 wurde 1746 als Wohnhaus des Inspektors (Superintendenten) zugleich mit dem Predigerhaus Kirchplatz 2 errichtet. Hier war Karl Friedrich Bauer, der sich mit großer Aktivität für die Verbesserung der Schulverhältnisse in Zossen und den umliegenden Dörfern einsetzte, als Inspektor von 1795 bis 1809 tätig. Er schuf  bereits 1797 eine kleine "Industrie-Anstalt" in seinem Hause, wo seine Ehefrau einige Mädchen im Nähen, Stricken, Wäschezeichnen und Dingen der Haushaltsführung anleitete. Durch regen Schriftwechsel konnte er die  Königliche Regierung überzeugen, dass im Jahr 1804 eine Summe von 4.000 Talern  für den Bau eines größeren Schulhauses (Kirchplatz 1)   zur Verfügung gestellt wurde. In mehreren Bänden der zu dieser Zeit von  Kosmann und Heinsius herausgegebenen Zeitschrift  "Denkwürdigkeiten und Tagesgeschichte der Mark Brandenburg" befinden sich neben Bauers interessanten Berichten über das Schul- und Kirchenwesen Zossens  auch Fragen der Düngung in der Landwirtschaft auch eine Sammlung von ihm verfasster märkischer Idiotismen (Mundart) als Wörterbuch, die Ärzten und Richtern das Verständnis der Sprache des einfachen Mannes erleichtern sollten. Diese Sammlung der Mundart, die in und um Zossen üblich war, ist in der Zeit des Verschwindens des Teltower Platt ein hervorragendes Zeitzeugnis. Das Schulmuseum Zossen besitzt eine persönliche Eintragung Bauers in einem Poesiealbum von 1808.

Station 4:  Haus Kirchplatz 4, das Gebäude der Superintendentur,  wurde 1895 in dieser Form erbaut mit dem Ziel, der Kleinkinderschule (Vorschuleinrichtung) und der Kirchenverwaltung ein Domizil zu geben. Hier stand vorher das 1724 erbaute erste massive Schulhaus der Stadt Zossen. Bis zur Errichtung des Schulgebäudes Kirchplatz 1 im Jahr 1818 waren im untersten Stockwerk  die Mädchenklasse und eine Lehrerwohnung und im oberen Geschoss die Jungenklasse und die Wohnung des Rektors untergebracht. In den Räumen herrschte bedrückende Enge. Als Inspektor Karl Friedrich Bauer seine Tätigkeit in Zossen begann, führte er als erstes eine Einteilung der Schulkinder nach den vorhandenen Kenntnissen ein, so als weitere Klasse eine Elementarklasse. Die Wohnung des Cantors, der in der Stadt ein eigenes Haus besaß, wurde der 3. Klassenraum.. Dieser Raum  stand dann auch ab 1800 für die von Bauer gegründete Industrieschule zur Verfügung, eine Einrichtung, in der eine Industrieschullehrerin und ihre Gehilfinnen Mädchen und auch einige Jungen (im Winter bis zu 100 Kinder) an 4 Nachmittagen in der Woche in  Handarbeit unterrichteten. Die angefertigten Arbeiten wurden bei öffentlichen Schulprüfungen verkauft und die Kinder erhielten vom Verkaufsgewinn einen Anteil. Nach dem Umzug der Schule 1818 diente das sehr baufällige Haus noch als Sitz des Bürgermeisters bis zum Neubau des Rathauses  und auch als Lehrer- und Beamtenwohnung sowie als Spritzenhaus. 1867 gründete hier Luise Wienecke die erste staatlich genehmigte private Höhere Mädchenschule von Zossen, die ab 1890 unter Marie Kühn in die Luckenwalder Straße 26 umzog.

Station 5:  Nun geht die Wanderung durch den Stadtpark zur Bahnhofstraße 18. Von der Straße blickt man auf das von dem berühmten Architekten Alfred Messel zunächst für Wohnzwecke errichtete Haus. Seit dem Jahr 1911 leitete  Realschullehrer Christlieb Thiede das im Jahr 1900 am Am Kietz Nr. 26 gegründete Pädagogium hier in der Bahnhofstraße 18. In der Villa befanden sich neben der Wohnung des Leiters  die Internatsräume. Ein architektonisch  schön gestaltetes Nebengebäude bot weiteren Platz für Wohnung und Internat. Durch einen Schulhof hinter dem Haus erreichte man das von der Stadt  neu erbaute Schulhaus mit zunächst 4 Klassenräumen.  Zum 1. Oktober 1922 kaufte Freiherr Dr. Kurt von Lützow das Grundstück  von der Stadt Zossen. Er stattete die Schule hervorragend für den naturwissenschaftlichen Unterricht aus. Ab Ostern 1931 wurden erstmalig auch Mädchen  in der Knabenschule aufgenommen, da die Mädchenschule inzwischen geschlossen hatte. Als die Stadt Zossen im Jahr 1935 ein Reformrealgymnasium in Form einer öffentlichen Schule errichten wollte, zwang sie Dr. von Lützow, seine Schule aufzugeben, weil er die sehr hohe städtische Hypothek nicht tilgen konnte. Unter dem neuen Begriff Oberschule konnte man hier bis 1958 das Abitur ablegen. Später wurden die Räumlichkeiten von der Goetheschule mit genutzt und bis 2005 von der Förderschule. Danach wurde das Grundstück geteilt und die Gebäude privat verkauft.Das von der Stadt errichtete Schulgebäude befindet sich am Ende des Grundstücks und kann von der parallel führenden Straße aus, der Breite, betrachtet werden. Hier war seit 1911 der Sitz des bereits 1900 in einem Haus am Kietz gegründeten Pädagogiums. Diese Privatschule mit  Internat wurde 1935 in eine staatliche Schule, die bis zum Abitur führte, umgewandelt.

Station 6:  Entlang der Straße führt der Weg weiter stadteinwärts bis zur Ampelkreuzung in die Luckenwalder Straße. Das Haus Nr. 18 war Sitz der  bereits 1867 gegründeten Höheren Mädchenschule. Diese musste aus wirtschaftlichen Gründen 1929 schließen. Seit dem Jahr 1867 gab es in Zossen die erste staatlich genehmigte private "Höhere Mädchenschule", die ein Fräulein Luise Wienecke gründete. Sie befand sich zunächst im ehemaligen baufälligen Haus der alten 1724 erbauten Stadtschule. Nachdem die Betreiberinnen mehrfach gewechselt hatten, übernahm Fräulein Marie Kühn 1990 diese Schule und führte sie bis zu ihrem Tode im Jahr 1920 in diesem  Haus Luckenwalder Straße 26. Zeitweilig besuchten bis zu einhundert Schülerinnen aus wohlhabenden bürgerlichen und bäuerlichen Familien Zossens und der Umgebung diese Schule für acht Schuljahre. Nur wenige Schülerinnen absolvierten ein neuntes Schuljahr. Auf dem Hof gab es außer den Räumen in der Villa noch einen großen Unterrichtsraum in einem Flachbau. Nachfolgerin von Marie Kühn wurde Fräulein Toni Oberheiden. Aus wirtschaftlichen Gründen musste diese Schule 1929 schließen, da die Schülerzahl wegen der eingeführten vierjährigen Volksschulpflicht stark gesunken war. Heute ist das Gebäude ein Mietshaus.

Station 7: Wieder zurück zur Ampelkreuzung gelangt man über den Marktplatz zur Straße Am Kietz. Am 19. April 1900 eröffnete Gymnasiallehrer Dr. Berthold Reiprich hier die erste höhere Privatschule für Knaben, das Pädagogium genannt,  in diesem Haus Am Kietz Nr.26. Die Schülerzahl lag bei 80 bis 100 Knaben, davon 12 Internatsschüler. Sie waren in vier Wohnräumen untergebracht, die zugleich als Schlafräume dienten. Im Hauseingang, jeweils an der Seite, sind nach der Renovierung des Hauses die Reliefs von Goethe und Schiller als Zeichen dieser Bildungsstätte wieder deutlich zu erkennen. Die engen Räume und deren Zustand, der steile Treppenaufgang, der Zustand des zu gewerblichen Zwecken dienenden Hofes und das völlige Fehlen eines Schulplatzes zwangen den Magistrat von Zossen, eine bessere Lösung für diese Schule zu finden. So erwarb die Stadt Zossen das 3000 Quadratmeter große zum Verkauf stehende Grundstück mit großer Villa und Nebengebäude in der Bahnhofstraße 18 und ließ dort ein neues ausbaufähiges Schulgebäude mit vier Klassenräumen errichten, um es dem Leiter der Privatschule zu vermieten.

Station 8: Dem Fußweg auf dem Bürgersteig folgend gelangt man am Friedhof vorbei zur letzten Station, der heutigen Goetheschule -Grundschule Zossen. Hier auf dem Gelände der Gerichtstraße 39 wurde 1956/57  das Gebäude als Allgemeine Berufsschule errichtet, die den Namen "Wilhelm Riemann" verliehen bekam. Sehenswert sind bis heute die Bleiglasfenster im Treppenhaus zur Schulhofseite. Im Jahr 1960 kam die Turnhalle hinzu. Einige Räume wurden der Goetheschule zur Nutzung überlassen.1968 erfolgte ein Schultausch. Die Berufsschule bezog die Räume der Goetheschule am               Kirchplatz 1, die in die Gerichtstraße wechselte. Als Polytechnische Oberschule für die Klassen 1 bis 10 trug sie weiter den Namen  "Goetheschule". Die Klassen 1 bis 4  wurden ausgelagert und weiter am Kirchplatz 1 beschult. 1975 wurde die Schule in Kallinchen Teiloberschule der  "Goetheschule" und nach ihrer  Schließung lernten deren Schüler in Zossen. 1991 fiel im Rahmen der allgemeinen Namensprüfung der Name "Goetheschule" weg. 1992               erfolgte eine Änderung der Schulstruktur. Von da an war diese Schule Grundschule. 1996 erhielt die Grundschule ihren Namen zurück. Sie heißt jetzt          "Goetheschule Zossen - Grundschule".

Info: „Aus der Geschichte der Stadtschule in Zossen“  ist ein Beitrag überschrieben, der in dem vom Heimatverein „Alter Krug“ herausgegebenen Buch „Zossen – ein märkisches Städtchen“ nachzulesen ist.

 

 

Plakate zum Jubiläumsjahr

Jubiläumsplakate in leeren Schaufenstern

Auf Initiative des Heimatvereins „Alter Krug“ sind in leeren Schaufenstern der Innenstadt die ersten Plakate zum Stadtjubiläum „700 Jahre urkundliche Ersterwähnung der Stadt Zossen“ aufgehängt worden