Gefährliche Seiten? Wenn Bücher hinter Absperrband verschwinden

Bücher stehen für Wissen, Freiheit und die Vielfalt der Gedanken. Doch was geschieht, wenn Bücher verboten, aus Bibliotheken entfernt oder gar verbrannt werden? Anlässlich des Jahrestages der Novemberpogrome von 1938 laden die Stadtbibliothek Zossen, die Stadt Zossen und die Evangelische Kirchengemeinde am
Wenn aus Worten Verfolgung wird
„Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Mit diesen Worten beschrieb Heinrich Heine bereits 1821 eine erschreckende Entwicklung, die gut ein Jahrhundert später grausame Wirklichkeit werden sollte.
Im Mai 1933 verbrannten Nationalsozialisten auf öffentlichen Plätzen die Werke zahlreicher jüdischer, politisch missliebiger und anderer verfemter Autorinnen und Autoren. Die Bücherverbrennungen waren sichtbarer Ausdruck einer Politik, die geistige Freiheit unterdrückte, Menschen ausgrenzte und schließlich in systematische Verfolgung und millionenfachen Mord mündete.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden im gesamten Deutschen Reich Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört und Tausende jüdische Menschen misshandelt, verhaftet oder ermordet. Auch religiöse Schriften und Gebetbücher fielen der Gewalt zum Opfer. Die Novemberpogrome markierten eine weitere dramatische Eskalation der nationalsozialistischen Judenverfolgung.
Was haben verbotene Bücher mit unserer Gegenwart zu tun?
Dieser Frage wollen die Stadtbibliothek, die Stadt Zossen und die Evangelische Kirchengemeinde mit einem gemeinsamen Jugendbildungsprojekt nachgehen. Unter dem Leitgedanken „Gefährliche Seiten? Wenn Bücher hinter Absperrband verschwinden“ soll deutlich werden, wie eng die Freiheit des Wortes, der Zugang zu Wissen und eine offene, demokratische Gesellschaft miteinander verbunden sind.
Dabei geht es nicht allein um die historischen Bücherverbrennungen. Auch gegenwärtige Versuche, Literatur aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen, unbequeme Meinungen zum Schweigen zu bringen oder den Zugang zu bestimmten Inhalten einzuschränken, sollen zum Nachdenken und zur Diskussion anregen.
Was macht ein Buch eigentlich gefährlich? Wer entscheidet darüber, was gelesen werden darf? Und was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn einzelne Stimmen nicht mehr gehört werden sollen?
Mit solchen Fragen möchte das Projekt insbesondere junge Menschen dazu ermutigen, sich kritisch mit Geschichte und Gegenwart auseinanderzusetzen und den Wert von Meinungsfreiheit, Toleranz und demokratischer Vielfalt zu erkennen.
Gemeinsames Gedenken als Auftakt
Die musikalisch-literarische Andacht am 9. November bildet den öffentlichen Auftakt dieses Vorhabens. Mit Musik, literarischen Texten und geistlichen Impulsen soll ein Raum für Erinnerung, Besinnung und gemeinsames Nachdenken entstehen.
Der Abend schlägt dabei eine Brücke zwischen dem Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Verantwortung, die sich daraus für das gesellschaftliche Miteinander in der Gegenwart ergibt.
Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Veranstaltung auf einen Blick
Musikalisch-literarische Gedenkandacht zum Jahrestag der Novemberpogrome
Datum: Montag, 9. November 2026
Beginn: 18 Uhr
Ort: Dreifaltigkeitskirche Zossen
Veranstalter: Stadtbibliothek Zossen, Stadt Zossen und Evangelische Kirchengemeinde Zossen
Eintritt: frei
Pressekontakt
Pfarrer Christian Guth
Telefon: 0176 2031 7995
E-Mail: christian.guth@kkzf.de

